VOL.AT ungeschminkt im O-Ton

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00:00:00: Also stell dir mal vor, du wohnst in Bludenz oder in Bings.

00:00:06: Oder in der Brunnenfeld-Siedlung und direkt vor deinem Küchenfenster rollen bald schwere Bagger an!

00:00:14: Du erwartest natürlich Lärm aufgewühlte Erde und naja jahrelanges Karrens.

00:00:20: Klar, weil da eben die Bahntrasse ausgebaut wird.

00:00:22: Das ist ein massiver Eingriff.

00:00:24: Genau!

00:00:24: Aber die tausenden Seiten an extrem strengen Bauakten, die wir heute auf dem Tisch haben, behaupten etwas völlig Paradoxes.

00:00:33: Nämlich wenn diese Bagger in ein paar Jahren wieder abziehen und die Züge plötzlich doppelt so schnell an deinem Haus vorbeirasen dann wird es in deinem Schlafzimmer nachts leiser sein als je zuvor.

00:00:45: Das klingt im ersten Moment wirklich nach einem kompletten Widerspruch?

00:00:48: Absolut Leiser und dein Haus wird angeblich auch weniger vibrieren.

00:00:54: Da fragt man sich schon, wie ist das physikalisch überhaupt möglich?

00:00:58: Ja mehr Züge höhere Geschwindigkeiten breitere Trasse aber gleichzeitig eine geringere Lärm- und Erschütterungsbelastung für die direkten Anreiner.

00:01:07: Genau das ist aber das Kernresultat dieser behördlichen Umweltverträglichkeitsprüfungen, kurz UVP.

00:01:13: Und genau diese gigantischen Aktenberge die entschlüsseln wir heute in unserer ausführlichen Analyse.

00:01:19: Wir haben uns da wirklich durch die Planungsberichte der ÖBB, durch Lärmschutzgutachten, forstechnische Papiere und sogar ökologische Studien gegraben.

00:01:29: Das Projekt heißt offiziell Binks-Bloodens zwei gleisiger Ausbau Klusterbogen

00:01:35: Und diese Dokumente, die sind ja oft in feinstem trockenem Behördendeutsch verfasst.

00:01:40: Richtig trocken!

00:01:41: Und unser Ziel heute ist es genau diese Akten so zu übersetzen dass man als direkter Anreiner sofort versteht was da eigentlich passiert.

00:01:51: Was bedeutet das für meinen Alltag?

00:01:52: Meine Ruhe und natürlich die Natur vor der Haustür?

00:01:56: Okay lass uns das aufschlüsseln.

00:01:58: Kannst du uns erstmal das ganz große Bild zeichnen?

00:02:01: Sehr gerne.

00:02:02: Der Schlüssel zum Verständnis liegt hier wirklich oft in den unsichtbaren Details.

00:02:08: Unsere Quellen reichen davon makroökonomischen Fahrplansimulationen bis hinab zur Mikrobiologie von so einem kleinen lokalen Bachlauf.

00:02:16: Wahnsinn!

00:02:18: Alles in diesem Projekt hängt extrem eng zusammen.

00:02:20: Also gut, bevor wir jetzt klären wie man Züge quasi unsichtbar und leise macht müssen wir uns ansehen warum die Bagger da überhaupt anrollen.

00:02:30: Wenn ich mir den Status quo so auf der Karte ansehe, dann sprechen wir hier von der Einfahrt nach Bludens aus Richtung Alberg kommend.

00:02:39: Das ist genau zwischen Streckenkilometer hundertdreifunddreißig Komma neun und hundertfünfund dreißig Koma eins.

00:02:45: Exakt!

00:02:46: Und das ist momentan nur ein eingleisiger Flaschenhals oder?

00:02:50: Also da quälen sich die Fernzüge in einer relativ engen Kurve.

00:02:54: dem Kloster bogen mit maximal siebzig kmH hindurch.

00:02:57: Ja, und Siebzig kmH ist für den modernen Schienverkehr echt eine extreme Bremse.

00:03:02: Was hier faszinierend ist, ist die Vision der ÖBB.

00:03:05: Die planen da eine komplette Neutrassierung und eben diesen zweigleisigen Ausbau.

00:03:10: Das Kernziel ist, die Streckengeschwindigkeit auf hundert bis hundertvierzig kmH anzuheben.

00:03:15: Warte mal!

00:03:16: Da muss ich direkt einhaken.

00:03:18: Wir reden hier von etwas mehr als einem einzigen Kilometer neuer Strecke?

00:03:23: Richtig

00:03:23: Ein Kilometer.

00:03:24: Ist das nicht so, als würde man auf einer Landstraße eine Überholspur von nur hundert Metern bauen?

00:03:30: Bringt das wirklich den ganzen Fahrplan in Ordnung.

00:03:33: Warum investiert man hunderte Millionen, dreht eine ganze Landschaft auf links nur um auf tausend Metern ein paar Sekunden schneller zu sein?

00:03:40: Das ist ne extrem gute Frage!

00:03:42: Wenn man wirklich nur die reine Fahrzeit auf diesem einen Kilometer betrachtet hast du völlig recht.

00:03:47: Eben Aber die paar Sekunde Zeitgewinn sind absolut nicht der Grund für dieses Megaprojekt.

00:03:52: Es geht hier überregional um die Mechanik des sogenannten integralen Taktfahrplans.

00:03:58: Okay, das musst du erklären!

00:03:59: Also das österreichische Bahnnetz ist so konzipiert dass Züge an den großen Knotenpunkten wie eben Bludens- oder Feldkirch exakt zur Minute null oder zur Minute dreißig eintreffen.

00:04:10: Ah damit alle Passagiere ihre Anschlusszüge und Busse erreichen.

00:04:15: Und bisher müssen Fernverkehrszüge vom Alberg oft im Bahnhof Blutens aufeinander warten, weil die Strecke danach eben eingleisig ist.

00:04:23: Verstehe – ein eingleisiges Stück ist dann quasi das Sandkorn in diesem Uhrwerk?

00:04:28: Exakt so ist es!

00:04:30: Wenn der Railjet vom Alberg auch nur, sagen wir mal drei Minuten Verspätung hat muss der Gegenzug in Bludenz warten.

00:04:37: Genau und dadurch verpasst dieser Gegenzug dann seinen eigenen Taktknoten weiter unten im Rheintal.

00:04:43: Das ist ja wie ein Domino-Effekt.

00:04:46: Eine winzige lokale Verspätung pflanzt sich, wie eine Schockwelle durch das ganze Bundesland fort!

00:04:51: Richtig

00:04:52: – der Klosterbogen ist heute genott diese Sandkorn.

00:04:56: Durch den zweigleisigen Ausbau wird aus diesem einen Kilometer dann eine hochfunktionale Pufferzone.

00:05:02: In der Eisenbahnlogistik nennt man das auch eine fliegende Kreuzung.

00:05:07: Ja, im Verspätungsfall können zwei Züge auf diesem neuen Stück jetzt gleichzeitig mit hundertvierzig kmh aneinander vorbeirauschen ohne dass einer bremsen oder warten muss.

00:05:18: Ach krass!

00:05:19: Dieser kurze Puffer ist goldwert um die Fahrplanstabilität und den Taktverkehr also Nah-und Fernverkehr in ganz Vorarlberg flüssig zu halten.

00:05:28: Okay, also gut Das leuchtet absolut ein, wir bekommen einen flüssigeren Fahrplan.

00:05:34: Aber bevor wir flüssig fahren wird erst einmal kräftig gebuddelt!

00:05:38: Und wie?

00:05:39: Das Projekt ist ja voraussichtlich für die Jahre zwanzig bis zweitausendzwanzig angesetzt und um diesen einen Kilometer Puffer in den Boden zu stanzen musst du die Hauptverkehrsader der Albergbahn in Betrieb halten.

00:05:53: Das klingt ein bisschen so, als würde man seine Küche komplett sanieren, während man gleichzeitig versucht darin einen Fünf-Gänge-Menü für die Familie zu kochen.

00:06:00: Das

00:06:00: ist ein perfekter Vergleich!

00:06:02: Es ist logistisch quasi eine Operation am offenen Herzen – Die Bestandsstrecke kann man nicht einfach abschalten.

00:06:08: Und was heißt das für die Anwohner?

00:06:10: In den Berichten liest man da ja einiges...

00:06:12: ...die Dokumente sind sehr detailliert, was die Phasenplanung angeht.

00:06:15: Es wird unweigerlich zum massiven Belastungen kommen.

00:06:18: Straßen, wie die L-Hundertneunzig und die L –Siebenundneunzig müssen verlegt werden.

00:06:22: Ja ich habe gelesen es gibt da so eine provisorische Beipassstraße

00:06:26: Genau!

00:06:27: Die wird eingerichtet um den Verkehr um die eigentliche Baustelle herum zu leiten Und weil die Züge tagsüber rollen müssen bedeutet das unweicherlich auch Nacht und Wochenende arbeiten.

00:06:36: Lass uns mal über diese Schmerzpunkte der Anreiner sprechen, also den Lärm und den Staub.

00:06:42: In den Bauakten ist oft von Spundwänden die Rede, die in den Boden gerammt werden müssen.

00:06:47: Wer schonmal gehört hat wie ein hydraulischer Hammer massive Stahlprofile im felsigen Untergrund treibt – das ist kein leises Klopfen!

00:06:56: Das ist eine orenbetäubende Erschütterung, die wirklich durch Mark- und Bein geht.

00:07:04: Aber genau hier bringen die Gutachten und die Umweltverträglichkeitsprüfung extrem strenge Vorgaben ins Spiel, um Ruhe in die Situation zu bringen.

00:07:13: Wie

00:07:13: sehen diese Gegenmaßnahmen aus?

00:07:15: Ein bisschen Wasser auf die Straße spritzen gegen den Staub reicht da ja wohl kaum oder?

00:07:19: Nein absolut nicht!

00:07:21: Die Behörden machen da sehr klare Ansagen.

00:07:23: Um die gesetzlichen PMC'n Feinstaubgrenzwerte einzuhalten werden zum Beispiel bei trockener Witterung spezielle Hochdruck-Wasserkanonen eingesetzt.

00:07:33: Ja, die erzeugen einen ganz feinen Sprühnebel aus Mikrotropfen.

00:07:38: Der Nebel bindet die Staubpartikel direkt in der Luft und zwingt sie physikalisch zu Boden bevor Sie überhaupt zu den Wohngebäuden etwa in der Brunnenfelsiedlung gewählt werden können.

00:07:47: Okay das ist schon mal Hightech gegen Staub.

00:07:50: aber was ist mit dem Lärm?

00:07:52: Man kann so eine riesige Baustelle ja schlecht Schalldicht einpacken!

00:07:55: Das stimmt Man kann den Lärm nicht wegzaubern, aber lärmentensive Arbeiten wie eben das Rammen von diesen Spundwänden müssen den Anwohnern rechtzeitig angekündigt werden.

00:08:05: Es gibt da feste Zeiten und es gibt ein sehr spezifisches Detail zur Lärmminderung.

00:08:10: Ah du meinst diese Ombudsperson?

00:08:12: Genau!

00:08:12: Es wird eine weisungsfreie Ombudsperson geben mit einer öffentlichen direkten Telefonnummer.

00:08:18: Das finde ich extrem wichtig.

00:08:20: Ja wenn sich Anreiner nachts um drei gestört fühlen Weil eine Baufirma vielleicht doch Regeln bricht, landest du nicht in einem anonymen Callcenter.

00:08:29: Du rufst da an und diese Stelle kann sofort intervenieren und die Arbeiten stoppen.

00:08:34: Das gibt den Leuten zumindest ein bisschen Kontrolle zurück.

00:08:37: Was mich aber am meisten fasziniert hat war dieser clevere bauliche Kniff.

00:08:42: Welchen meinst du genau?

00:08:44: Normalerweise baut man doch ne Trasse Merkt dann hey es ist laut Und fängt jahre später an Lärmschutzfenster bei den Anrheinern zu fördern.

00:08:52: Hier ist es aber umgekehrt.

00:08:54: Ach das?

00:08:55: Ja, das ist wirklich clever!

00:08:56: Laut den Berichten wird den anspruchsberechtigten Anreinern der objektseitige Lärmschutz also der Einbau von dicken Schallschutzfenstern schon vor Beginn der Bauarbeiten angeboten.

00:09:07: Genau die Fenster sind ja eigentlich für dem Betriebslärm der zukünftigen neuen Trasse gedacht.

00:09:13: Indem die ÖBB diese aber schon vor dem ersten Baggerschlag einbauen schützen sie die Bewohner bereits während der Bauzeit vor dem massiven Baulärmen.

00:09:20: Das ist wirklich ein cooler Hebel.

00:09:22: Gut, wenn wir diese Bauzeit also sagen wir mal Wir haben jetzt zwei tausend achtundzwanzig überstanden haben Dann kommen wir zu dem Paradoxon dass wir ganz am Anfang aufgeworfen haben.

00:09:33: Ja das ist ein extrem spannender Punkt.

00:09:36: Hier wird es nämlich wirklich interessant.

00:09:38: Das Projekt ist fertig!

00:09:40: Wir haben zwei Gleise statt einem.

00:09:42: Die Züge fahren hundertvierzig statt siebzig.

00:09:44: Der Takt ist enger.

00:09:46: An neuralgischen Punkten wie bei den Adressen Ausstraße, Sechzig A, Sechszig B und Sechzig C ist die neue Strecke jetzt physisch sogar noch näher an die Wohnhäuser herangerückt.

00:09:56: Mhm das stimmt!

00:09:57: Man würde doch denken für die Anwohner dort in der Außerstraße oder im Moos wird das ein absoluter akustischer Albtraum.

00:10:05: aber deine Quellen sagen das genaue Gegenteil.

00:10:08: es wird nachts leiser sein.

00:10:10: Wenn wir das mit dem Großen Ganzen verbinden, löst sich dieses Paradoxon relativ schnell auf.

00:10:15: Dafür müssen wir uns die sogenannte Null-Variante aus der UVP ansehen.

00:10:19: Null Variante?

00:10:20: Ja!

00:10:21: Die Behörden bewerten so ein neues Projekt nicht isoliert.

00:10:24: Sie vergleichen es immer mit dem Szenario was passiert wenn wir gar nichts tun?

00:10:28: Okay...wenn wir gar nix tun haben wir weiterhin die alte eingleisige Strecke.

00:10:32: Genau, aber das Nitz wird ja trotzdem voller.

00:10:35: Es müssen mehr Züge über diese alte Infrastruktur geleitet werden Das heißt du hättest vielmehr Verkehr auf alten Schienen ohne jeglichen modernen Schallschutz.

00:10:43: Oh!

00:10:43: Das wäre natürlich furchtbar Absolut.

00:10:45: Und hier setzt die Technologie des neuen Projekts an.

00:10:48: Einerseits gibt es den klassischen Luftschall also das Rauschen des Zuges.

00:10:53: Dagegen werden hochmodane landschaftsangepasste Lärmschutzwände errichtet Die absorbieren den Schall statt ihn nur zurückzuherfen.

00:11:00: Aber der Luftschall ist ja nicht alles.

00:11:02: Wenn so ein vierhundert Tonnen schwerer Güterzug mit Hundert kmH vorbeifährt, erzeugt er ja immense kinetische Energie!

00:11:10: enorme Erschütterungen.

00:11:11: In den Gutachten taucht da der Begriff Unterschotten auf, denen müssen wir unbedingt erklären.

00:11:17: Weil diese Energie vom Zug wandert ja als seismische Welle, als Körperschall durch das Erdreich bis in die Fundamente der benachbarten Häuser in der Ausstraße.

00:11:27: Richtig!

00:11:27: Und dort fangen dann die Wände an zu brummen und die Gläser im Schrank klirren.

00:11:31: Je näher die Trasse ans Haus rückt desto stärker wird diese Welle normalerweise.

00:11:35: Das

00:11:36: ist das Problem bei der alten Strecke.

00:11:38: Aber bei dem Ausbau verbaut man spezielle Erschütterungsschutzmaßnahmen tief im Gleiskörper.

00:11:43: Man legt unter das gesamte Schotterbett diese speziellen Elastomermatten, oft aus Polyurethan.

00:11:49: Und die wirken dann wie gigantische Stoßdämpfer?

00:11:52: Ganz genau!

00:11:52: Sie sind physikalisch exakt auf die Frequenzen der Züge abgestimmt.

00:11:56: Wenn die kinetische Energie den Schottern nach unten drückt, gibt die Matte extrem leicht nach und fängt die Vibration komplett auf.

00:12:02: Wow!

00:12:03: Sie bricht die Schwingungen bevor sie das darunter liegende Festgestein überhaupt erreicht Die dynamischen Kräfte verpuffen in der Matte und der Körperschall wird massiv gedämpft.

00:12:12: Das heißt, die Erschütterungsgrenzwerte werden nicht nur eingehalten sondern die Wohnqualität steigt spürbar weil diese Technologie auf dem alten Gleis überhaupt nicht existiert?

00:12:21: Exakt!

00:12:22: Für die meisten Anreiner ist das am Ende eine deutliche Entlastung besonders in der Nacht.

00:12:26: Es ist wirklich ein massives Upgrade Und wenn man sich die Berichte so ansieht profitieren ja nicht nur die Leute in den Häusern auch die lokale Infrastruktur wird verbessert.

00:12:36: Absolut.

00:12:36: Ich habe gelesen, auch Fußgänger und Radfahrer profitieren stark.

00:12:40: Die Barrierewirkung der Bahn wird nicht schlimmer – im Gegenteil!

00:12:44: Entlang der verlegten L-IX entsteht auf der Ostseite ein komplett neuer G-und Radweg.

00:12:49: Ja das sind schöner Synergieeffekt.

00:12:52: Man nutzt diesen riesigen Eingriff um den Arm drum herum neu und besser zu ordnen.

00:13:00: Lass uns dem Blick mal ein bisschen weg vom Beton und hin zur Natur lenken.

00:13:04: Sehr wichtiges Thema bei einer UVP.

00:13:06: Wir haben jetzt über Ohren und Erschütterungen gesprochen, aber was ist mit dem Auge-und der Umwelt?

00:13:12: Der Klosterbogen heißt ja nicht umsonst so.

00:13:14: Wir sind hier direkt beim Kloster Sankt Peter!

00:13:17: Ja, landschaftlich wird sich einiges verändern.

00:13:20: durch den neuen Kreisverkehr zwischen der L- onehundertneunzig und L-siemoneunzig Und natürlich die Doppelgleisigkeit selbst wird signifikant mehr Fläche versiegelt.

00:13:31: Es entsteht da schon eine deutlich wahrnehmbare technische Infrastruktur im Stadtrand.

00:13:37: Bedeutet das Bludens verliert hier einfach ein Stück grüne Lunge?

00:13:41: Ich habe das beim Lesen wie so ein ökologisches Tetris-Spiel empfunden, bei dem Blocke hin und her verschoben werden.

00:13:47: Ökologisches Tetris ist eigentlich ein sehr treffender Begriff – der Naturschutzbericht bestätigt genau das!

00:13:53: In einer UVP funktioniert das wie ein strenges Währungssystem Wenn du an der einen Stelle Natur wegnimmst, musst du sie woanders auf den Zent genau zurückgeben.

00:14:02: Okay und wie sieht das konkret aus?

00:14:05: Was passiert mit den alten Flächen?

00:14:06: Echtlich zu großen Teilen wieder aufgeforstet!

00:14:09: Man pflanzt da quasi eine neuen Wald.

00:14:11: Ach, dass alte Gleis bleibt gar nicht

00:14:13: liegen?!

00:14:13: Nein,

00:14:14: das wird komplett renaturiert... Und bei den landwirtschaftlichen Flächen geht man sogar so weit, dass neue Böschungen eine ganz bestimmte sanfte Neigung bekommen.

00:14:23: Ah!

00:14:24: Ich erinnere mich – Neigung eins zu fünf Zähnen stand da?

00:14:27: Genau.

00:14:28: Damit die lokalen Landwirte diese Hänge danach sicher mit ihren schweren Traktoren befahren und bewirtschaften können ohne das sie umkippen.

00:14:35: Das ist schon ziemlich detailverlebt, aber um diese Tiefe der Gutachten wirklich zu illustrieren müssen wir über den Brunnenbach sprechen.

00:14:43: Das hat mich echt umgehauen!

00:14:45: Oh ja die fischökonomischen Maßnahmen.

00:14:47: Wir haben da diesen kleinen Brunnernbach direkt im Projektgebiet und für den Neubau der Brünnenbachbrücke BB-II genannt.

00:14:55: muss dieser Bach vorübergehend teilweise verrohrt werden damit da Baufahrzeuge rüber können.

00:15:02: Ein massive Eingriff in den Bachlauf

00:15:04: Genau.

00:15:04: Und jetzt würde man meinen, da fährt einfach ein Bagger hin drückt einen Plastikrohr rein und schüttet Kies drüber.

00:15:10: Aber das dürfen die nicht?

00:15:11: Nein überhaupt nicht!

00:15:13: Da lebt nämlich eine geschützte Fischart – die Koppe so kleine Bodenfische.

00:15:18: Bevor der auch nur ein Bager anrollt rücken Experten an und fischen sie ab um sie sicher umzusiedeln.

00:15:24: Ja, mit Elektrofischerei.

00:15:26: Die Biologen leiten ein ganz schwaches elektrisches Feld durchs Wasser die Fische werden kurz betäubt, schwimmen an die Oberfläche, werden behutsam in Eimer gesetzt und außerhalb der Bautzone wieder in den Bach gelassen.

00:15:38: Das ist doch wahnsinnig.

00:15:39: meine da wird einen Milliardenprojekt gebaut und man kümmert sich mikroskopisch genau um jeden einzelnen kleinen Fisch unterm Stein.

00:15:48: das zeigt einfach wie tiefgreifend und exakt solche Großprojekte heute in Österreich geplant werden müssen.

00:15:54: Man darf nicht einfach drüberwalzen.

00:15:56: Lass uns das alles mal für die Menschen vor Ort zusammenfassen!

00:16:00: Wenn du hier in Bludens- oder Bings wohnst, steht dir eine mehrjährige sicher echt nervenaufreibende Bauphase bevor?

00:16:07: Das lässt sich leider nicht beschönigen – Umleitungen, Staub, Baulärm… das wird spürbar sein.

00:16:13: Ja aber …das Resultat ist eben eine komplett modernisiertere Bahnstrecke Die durch diese Hightech-Lärmschutzwende, die unter Schottermatten und die neuen Straßenführungen langfristig für viel mehr Ruhe sorgen wird.

00:16:28: Und wir kriegen bessere Radwege am Stadtrand von Blutens!

00:16:31: Das wirft eine wichtige Frage auf finde ich.

00:16:33: Welche?

00:16:34: Wenn wir mal zehn oder zwanzig Jahre in die Zukunft blicken... wenn die alte Trasse wieder zu einem dichten Wald herangewachsen ist Und diese neuen Lärmschutzwände verwittert und völlig in die Natur eingewachsen sind.

00:16:48: Wären wir uns dann im Alltag überhaupt noch an diesen massiven Eingriff erinnern?

00:16:52: An die Baustellen, das Elektrofischen und die Unterschottermatten?

00:16:56: Wahrscheinlich

00:16:57: nicht!

00:16:57: Oder wird dieses ganze Milliardenprojekt einfach als unsichtbare perfekt funktionierende Ader mit der Landschaft von Blutens-und Bings verschmelzen?

00:17:07: Es ist faszinierend wie schnell wir uns an neue verbesserte Infrastruktur gewöhnen Sobald sich der Baustaub erst einmal gelegt hat.

00:17:14: Das ist ein richtig guter Gedanke.

00:17:16: zum Schluss!

00:17:18: Wir fluchen über den Staub, aber wenn der Lärm weg ist und der Zug auf die Minute pünktlich kommt – dann ist es einfach Alltag.

00:17:25: Also wenn du dem nicht durch Blutens läufst und die ersten roten Flöcke der Vermesser siehst… Dann denk daran….

00:17:31: Unter diesem Schotter liegen Jahre an Präzisionsplanung, Stoßdämpfer für Güterzüge und sorgfältig umgesiedelte Fische.

00:17:39: Danke, dass du uns heute bei diesem tiefen Tauchgang in die Bauakten begleitet hast.

00:17:43: Wir hören uns bei der nächsten ausführlichen Analyse wieder!

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